DIE BÄCKER VON GROß-KNIEGNITZ


Liebe Groß-Kniegnitzer Heimatfreunde,
liebe Leserinnen und Leser der Homepage über Groß-Kniegnitz

Zur Zeit des Erntedankfestes danken wir jedes Jahr erneut für die Gaben, die wir empfangen haben. Ich möchte daher den Beruf des Bäckers und die Zunft des Brotbackens zum Thema machen. Zudem möchte ich auf unsere Bäckereien in Groß-Kniegnitz eingehen.

Trotz der Tatsache, daß in vielen Haushalten selbst gebacken wurde, hatten wir in unserem Dorf drei Bäckereien, nämlich die Bäckereien Instinsky, Dittrich und Hanke.

Wenn wir auf den Ortsplan von Groß-Kniegnitz schauen, finden wir die Bäckerei K. Dittrich unter Nr. 56, die Bäckerei Instinsky unter Nr. 45, die Bäckerei Hanke unter Nr. 39. Demnach war die Bäckerei Dittrich im Oberdorf, die beiden anderen Bäckereien befanden sich im Unterdorf.

Doch zunächst einmal zum Beruf des Bäckers. Unter ”Bäcker” schreibt das Lexikon : ”Handwerksberuf, welches sich vorzugsweise mit der Herstellung von Backwaren beschäftigt.” Ursprünglich wurde das Brot für den Hausbedarf in der Familie durch die Frauen hergestellt, und erst allmählich hat sich die Bäckerei zu einem bestimmt abgegrenzten Gewerbe entwickelt. Bereits das röm. Recht kennt Bäckereikorporationen. In Deutschland bildete sich das Bäckereihandwerk zuerst an den Orten aus, wo eine größere Menschenmenge sich zusammen fand, also an den Wallfahrtsorten, in den Klöstern und besonders in den Städten. Die Bäcker der einzelnen Orte schlossen sich, wie die anderen Gewerbe des Mittelalters, in Zünfte zusammen. Die Befugnis, das Bäckereigewerbe auszuüben, nannte man Backgerechtigkeit. Eine Meisterprüfung scheint nicht existiert zu haben; aber die Meisterschaft war an den Erwerb eines mit Backgerechtigkeit versehenen Hauses gebunden. Zeitweise gab es eine Teilung des Gewerbes in Weiß- und Schwarz-, Süß- und Sauerbäcker. Die Bäckereien mussten sich schon damals vielen beschränkenden Bestimmungen unterwerfen. Die wichtigsten dieser Maßregeln waren die obrigkeitlichen Brottaxen, welche sich selbst nach dem Verfall der Zünfte noch gehalten haben. Doch sind an ihre Stelle zum Schutze des Käufers meist Maßregeln anderer Art getreten, wie in Deutschland das Nahrungsmittelgesetz vom 14. Mai 1879. Hier noch ein paar Erläuterungen zur Brottaxe. Unter diesem Begriff versteht man die durch die zuständige Behörde festgesetzten Brotpreise. Solange die Bäcker eines Ortes durch Zunftprivilegien oder Zwangs- und Bannrechte begünstigt waren, konnte eine Brottaxe mit Rücksicht auf die Notwendigkeit, die Käufer vor einer missbräuchlichen Ausbeutung zu schützen, gerechtfertigt erscheinen. Nach Herstellung der vollen Gewerbefreiheit aber ließ sich die Brottaxe grundsätzlich nicht mehr aufrecht erhalten. Daher enthält die Deutsche Gewerbeordnung nur die Bestimmung, daß die Bäcker und die Verkäufer von Backwaren angehalten werden können, die Preise ihrer Backwaren durch einen von außen sichtbaren Anschlag zur allgemeinen Kenntnis zu bringen und eine Waage mit den erforderlichen Gewichten zur Benutzung durch die Käufer aufzustellen. Später wurde die Gewichtsbäckerei eingeführt, d.h., dass die Bäcker ihre Backwaren mit Ausnahme der Fein- und Kuchenwaren nur nach festem Gewicht verkaufen durften.

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Nach der Berufsstatistik vom 05. Januar 1882 gab es im Deutschen Reiche 88.447 Bäckereien und Konditoreien, darunter 80.117 als Hauptbetriebe. Die Zahl der in dem Gewerbe beschäftigten Personen betrug 176.657, darunter etwa 7 v.H. weibliche. Die Bäcker haben sich in Innungen und Innungsverbänden zusammengeschlossen.

Die verhältnismäßig lange und sich auf einen Teil der Nacht erstreckende Arbeitszeit veranlaßte die Kommission für Arbeiterstatistik 1892 eine Enquete über die Zustände im Bäckereigewerbe zu veranstalten., infolge deren die Maximalarbeitszeit in Bäckereien und Konditoreien im allgemeinen auf 12 Stunden täglich festgesetzt wurde. Im Laufe der Zeit sind namentlich in den großen Städten Brotfabriken (Bäckereien mit Maschinenbetrieb) entstanden, die den Handbäckern große Konkurrenz machten, sich aber fast nur mit Herstellung von Schwarzbrot in größeren Massen beschäftigten.

Folgende Fachliteratur gab es: Günthers Bäcker- und Konditorzeitung, Allgemeine Bäcker- und Konditorzeitung und Deutsche Bäckerzeitung, letztere das Organ der Bäckergehilfen. Erwähnt sei natürlich auch, dass es sich um einen 3-jährigen Ausbildungsberuf handelt.

Nun zu Brot- und Brotbäckerei:

Unter ”Brot” sagt das Lexikon aus: Bei den ackerbautreibenden Völkern Inbegriff der Nahrung, bestehend aus Mehl, Salz, Wasser, bisweilen auch Molke oder Milch, mit Sauerteig oder Hefe als Treibmittel.
Das Brot ist das wichtigste Nahrungsmittel aller Kulturvölker. Aus Mehl oder mehlartigen Substanzen durch Backen bereitet, wird es schon im frühesten Altertum erwähnt. Wie aus der Bibel hervorgeht, kannte man zur Zeit Abrahams das gesäuerte Brot noch nicht; aber Moses untersagte solches schon den Israeliten beim Genusse des Osterlamms. Die Griechen hatten der Sage nach das Brotbacken vom Gott Pan gelernt. Wahrscheinlich lernten sie es durch phöniz. und ägypt. Kolonisten, in deren Heimat die Kunst, die Körner durch Handmühlen zu mahlen und aus Mehl Brot zu backen, sehr früh im Gebrauche war. In Rom gab es schon frühzeitig öffentliche Bäcker. Das beste Brot wurde aus Weizen bereitet, das geringste mit Gerstenzusatz. Von Rom aus teilte sich der Gebrauch des Brotbackens zunächst dem westl. Europa mit, von wo aus es sich nach Norden verbreitete. Die Verwendung des Roggens zu Brot trat erst nach der Völkerwanderung auf. Nach dieser Zeit wurde das Roggenbrot zum allgemein gebrauchten Nahrungsmittel, bis im 18. Jahrhundert bei den meisten Völkern das Weizenbrot an seine Stelle trat; gegenwärtig behauptet jenes fast nur noch in Deutschland und in den skandinavischen Ländern seine Stellung. Das in Westfalen übliche sehr schwarze Brot, der Pumpernickel, besteht aus feinem, aber noch die Kleien enthaltendem Roggenmehl. Das Grahambrot wird aus geschrotenen, aber nicht gemahlenen Körnern gebacken. Brot aus anderen Getreidearten hat entweder nur eine lokale Verbreitung, wie z.B. das Maisbrot, oder es dient (wie das Haferbrot, das Brot mit Zusatz von Hülsenfrüchten, in neuerer Zeit auch von Kartoffeln, in den Zeiten der Hungersnot von Baumrinde usw.) nur als billiges Surrogat in Zeiten der Teuerung und der Armut. Alle diese Zusätze, mit Ausnahme des in Amerika in größter Menge verwandten Mais, ersetzen aber keineswegs das Roggen- und das Weizenmehl. Sie sind mehr oder weniger schwer, unverdaulich und unschmackhaft. Am besten noch zu Brot eignet sich, mit Weizen- und Roggenmehl gemengt, das Mehl der Gerste.

Der Zweck der Brotbereitung ist, das Mehl der Körner oder Gerealien durch Abänderung seiner chem. und physik. Beschaffenheit in den Zustand zu versetzen, in dem es nach dem Backen am leichtesten zwischen den Zähnen zerkleinert, mit Speichel getränkt und den Verdauungssäften am besten zugängig gemacht werden kann. ...
Aus Weizenmehl erhält man Weißbrot, aus Roggenmehl oder einem Gemisch davon mit Weizenmehl das Schwarz- oder Graubrot. Zu den Wecken, Semmeln, Brötchen, Zöpfen usw. wird feinstes Weizenmehl verwendet, das mit Wasser oder Milch eingeteigt wird.

Die Bearbreitung des Brotes zerfällt in zwei Abschnitte: die Teigbildung und das Backen.

Erstere bezweckt eine innigere Mischung des Mehls mit Wasser und Ferment. Durch das Backen soll erreicht werden:
1. ein Aufschließen (Verkleistern) der Stärkekörner;
2. eine Lockerung des Brotes durch Austreibung des Wassers und der Gase;
3. eine Vernichtung (Tötung) der Fermente zur Verhinderung weiterer Zersetzung der Mehlbestandteile;
4. eine Röstung der Oberfläche des Brotes, da die hierdurch entstandene Rinde oder Kruste dem Brote Wohlgeschmack und Haltbarkeit verleiht. Das Ferment ist entweder Hefe, die in eigenen Fabriken für den Bedarf der Bäcker hergestellt und als Preßhefe in den Handel gebracht wird, oder Sauerteig. Auf 100 Teile Mehl gebraucht man in der Regel 2 Teile Preßhefe oder 4 Teile Sauerteig. Als Ersatz des Ferments wird auch Backpulver verwendet. Durch die Hefe wird vorzugsweise alkoholische Gärung im Teige eingeleitet, der Sauerteig ruft neben dieser Milchsäuregärung hervor, und zwar in um so höherem Maße, je älter derselbe ist. Der Hefe bedient man sich für die Bereitung des weißen Brotes und aller feineren Bäckereien, des Sauerteigs für das Graubrot, und dieses erhält einen um so saureren Geschmack, je länger der Sauerteig in Gärung gewesen ist.

Man beginnt mit der Teigbildung am Abend vor dem Backen damit, dass man die Hefe oder den Sauerteig mit so viel Wasser und Mehl bei 30-35ß C. Zusammen knetet, dass etwa der vierte Teil des ganzen Teigs sich bildet. Dieser Vorteig, den man bis zum nächsten Morgen an einem mäßig warmen Orte stehen lässt, wird nun mit der ganzen Menge von Wasser und Mehl vermengt,wobei sorgfältig darauf zu sehen ist, dass keine Klumpenbildung eintritt. In dem Maße,wie die Menge des Mehls vermehrt wird, entsteht zunächst eine breiige Masse, dann ein zäher, plastischer Teig, dessen Bearbeitung, wenn sie mit der Hand ausgeführt wird, die ganze Kraft und Geschicklichkeit des Bäckers beansprucht, um eine vollkommene Einverleibung des zugefügten Mehls herbeizuführen. Bei dieser Bearbeitung quillt der Kleber und das Pflanzeneiweiß des Mehls zu einer zähen, klebrigen Masse, die das Zusammenhängen der ganzen Teigmasse bedingt. Das Wasser wird von den Stärkemehlkörnern aufgesogen, der im Mehl vorhandene oder vielleicht erst während der Teigbereitung entstehende Zucker wird gelöst und verfällt sofort durch die Wirkung des Ferments der Gärung,deren gasige Produkte das Aufgehen des Teigs verursachen. Die Verhältnisse,in denen Mehl und Wasser bei der Teigbereitung gemengt werden müssen,sind nicht immer gleich, da die eine Mehlsorte durch höheren Klebergehalt mehr Wasser zu binden imstande ist als eine andere, deren Gehalt an Kleber geringer ist; ganz allgemein kann man annehmen, dass auf 4 Teile Mehl 3 Teile Wasser erforderlich sind.

Da das Kneten des Teigs durch Menschenhand eine sehr anstrengende und zeitraubende Arbeit ist, verwendet man in größeren Bäckereien und Brotfabriken Knetmaschinen, die wegen des periodischen Betriebes am besten durch einen Gasmotor oder einen Elektromotor, seltener durch Dampfkraft betrieben werden.

Der fertige Teig ist nach der Größe der darzustellenden Brote zu zerteilen, wobei zu berücksichtigen ist, dass jedes fertige Brot ein bestimmtes Gewicht haben muss.
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Da aber während des Backens eine große Menge Wasser aus dem Teige verdunstet, muss dem für jedes einzelne Brot bestimmten Teigstück ein gewisses Übergewicht gegeben werden, dessen Größe für jede Brotsorte und jede Brotgröße durch Erfahrung festgestellt ist; je kleiner das Brot, um so größer muss verhältnismäßig das Übergewicht genommen werden, je fester, trockener der Teig, um so geringer kann das Übergewicht sein. Anstatt, wie früher allgemein üblich, jedes einzelne Brotstück abzuwiegen, benutzt man heute fast allgemein die Teilmaschine, in denen der gewöhnlich für 30-50 Brote bestimmte und in einer Masse abgewogene Teig in die entsprechende Zahl von genau gleichen Stücken zerschnitten wird. Nach dem Formen bringt man die Teigstücke in einen warmen Raum, um die Gärung weiter fortschreiten zu lassen. Durch die dabei entwickelten Gase, die durch die Zähigkeit der Masse am Entweichen gehindert werden, findet dabei das Aufgehen oder Schwellen des Teiges statt, und dieses wird im ersten Stadium des Backens, beim Warm-werden, beendet.

Im Teig ist das Stärkemehl größtenteils unverändert, so dass man es durch Anrühren mit Wasser und Abschäumen daraus abscheiden kann. In dem Maße aber, wie der Teig beim Backen erwärmt wird, geht eine Umwandlung des Stärkemehls vor, es bindet das Wasser fest, der schmierige, klebrige Teig verwandelt sich in nicht mehr feucht erscheinendes Brot, die Form der Stärkekörner verschwindet und der Teig verwandelt sich in eine strukturlose zusammenhängende, in sich homogene Masse. Diese Umwandlung erfolgt bereits bei Wärmegraden unter dem Siedepunkt des Wassers. Die Stellen des entstehenden Brotes, die stärker erhitzt werden, nehmen ein oberflächlich geschmolzenes, glänzendes Aussehen an dadurch, dass das entwässerte Stärkemehl in Dextrin verwandelt wird, wodurch die Ursache zur Bildung der Kruste gegeben ist. Endlich in noch höheren Wärmegraden werden die Bestandteile der Kruste weiter zersetzt, sie färbt sich gelb und braun, womit das Merkmal zur Beendigung des Backprozesses gegeben ist; würde man das Brot über diesen Zeitpunkt im Ofen lassen, so würde man eine schwarze, kohlige Masse erhalten. Die Hitze des Backofens soll bei großen Broten 250ß C., bei kleinen 200ß C nicht überschreiten. Große Brote von 4 kg brauchen etwa 1,5-2 Stunden, kleines Gebäck erfordert verhältnismäßig kürzere Zeit zum gar werden. Da Mehl 12-16 v.H., Brot dagegen 27-38 v.H. Wasser enthält, erhält man im allgemeinen aus 100 Teilen Mehl 120-135 Teile Brot.

Von den Einrichtungen, deren sich die Gewerbe bedienen, hat sich wohl keins so unverändert während Tausenden von Jahren erhalten wie der Backofen. Die verschiedenen Formen des jetzt gebräuchlichen Backofens lassen sich in drei Klasen vereinigen. Bei der ersten erfolgt die Heizung im Innern des Backraums. Dieser wird durch seine vordere Öffnung, das Mundloch, mit Holz gefüllt, das, entzündet, den Rauch aus dem Mundloch ausströmen lässt. Ist die erforderliche Temperatur erreicht, so werden die glühenden Kohlen aus dem Ofen gezogen und der Teig wird eingebracht, nachdem Asche und Ruß beseitigt sind. Das Backen des Brotes erfolgt hier durch die Wärme, die während des Anheizens in dem Mauerwerk der Sohle und des Gewölbes aufgespeichert ist; ist diese verbraucht, so muss das Anheizen von neuem erfolgen. Dazu ist als Brennmaterial nur Holz zu gebrauchen, da alle übrigen Heizstoffe durch den Geruch ihrer Verbrennungsprodukte das Brot verderben würden. Ein Schieber lässt den Kanal nach dem Anwärmen des Ofens absperren, um die Wärme darin zurückzuhalten. Bei der zweiten Art von Öfen erfolgt die Heizung außerhalb des Backraums inseitlich oder unter der Sohle angebrachten Feuerungen, die dann jedem beliebigen Brennmaterial angepasst werden können. Hierdurch hat man es in seiner Gewalt, dem Ofen jede beliebige Temperatur zu geben und die Wärme unbegrenzt lange auf gleicher Höhe zu halten. Es sind an der Stirnseite des Ofens zwei Feuerungen vorhanden, von denen die Wärme in Kanälen teils unter der Sohle, teils über das Gewölbe des Backraums hergeleitet wird.
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Eine dritte Art von Backofen beruht auf der Erwärmung mittels erhitzen Wassers. Er besteht aus schmiedeeiserne Röhren, die, an beiden Enden geschlossen und teilweise mit Wasser gefüllt, in den Heizraum hineinragen, wo das Wasser größtenteils in Dampf umgewandelt wird, der seinerseits die Wärme an die Backräume abgibt; zwischen den beiden Rohrlagen jedes Backraumes liegen ausziehbaren auf Rollen sich bewegenden Backherde. Die Vorteile dieser Art Öfen liegen in der leichten Bedienungsweise und dem geringen Brennmaterialverbrauch. Mit Gasfeuerungen betriebene Backöfen besitzen an der hinteren Seite einen hohen Füllschacht, der nur einmal am Tag mit Kohlen beschichtet zu werden braucht. Die Verbrennungsluft tritt durch den Rost und unterhalb der Feuerung durch einen mit feuerfesten Ziegeln gitterartig ausgesetzten Raum ein. Die Heizgase umspülen dann in Kanälen allseitig den Backraum. Der zum Backen nötige Wasserdampf wird in langen, im obersten Zuge liegenden Röhren von geringem Durchmesser erzeugt. Durch Stellung der Schieber wird die Heizung, durch Zulassen kalter Luft in einem Kanal die Temperatur geregelt.

Das Bäckerhandwerk erging sich schon immer in reichhaltiger und umfangreicher Literatur, so: ”Die Getreidearten und das Brot (Nürnb. 1860)”, Das Bäckergewerbe der Neuzeit (5. Aufl., Weim. 1887), Die Brotbereitung (Wien 1895). Zeitschriften: Das Brot. Organ des Vereins für Fortbildung des Backwesens usw. (Leip. 1869), Bäcker- und Konditorzeitung (Stuttg. 1881).

In Deutschland am häufigsten hergestellte Brotsorten sind heute: Weißbrot aus Weizenmehl, Schwarz- oder Graubrot aus Roggenmehl, Vollkornbrot aus ungeschältem Roggen oder Weizen, Knäckebrot (fladenförmiges Roggenschrotbrot), und Pumpernickel (unter Einwirkung von Wasserdampf hergestelltes Roggenschrot-Brot). Seit jeher wurde das Brot als Gabe höherer Mächte betrachtet und stand in Beziehung zum Ernte-, Fruchtbarkeits- oder auch Totenkult. Daran erinnern auch heute noch zahlreiche geformte Gebäcke, wie z.B. Gebildbrote. Darunter versteht man frei von der Hand geformte Festgebäcke in menschlichem, tierischen oder geometrischen Gestalten, wobei bestimmten Bildtypen magische Kräfte zugeschrieben wurden. Noch heute werden zu bestimmten Anlässen Gebildegebäcke im Haushalt gebacken und gekauft. ältere Formen, wie z.B. der Striezel, sind längst Alltagsgebäck geworden.

Nun möchte ich an unsere Bäckereien in Groß-Kniegnitz und an die Bäcker-Familien erinnern.

Bäckerei Hanke:

Nach Aussage von Max Kroker gab es früher übrigens noch den ”Schenke-Bäcker”, also eine Bäckerei namens Schenke. Diese befand sich damals gegenüber der Brennerei von Rhode. Nachfolger waren Bäcker Gräsche und Bäcker Beyer, später folgte dann Bäcker Hanke.

Am 01.04.1937 übernahm der Bäckermeister Ernst Hanke mit seiner Ehefrau Erna die Bäckerei. Die Bäckerei war gemietet, 70,- DM Miete bezahlte Ernst Hanke an den Besitzer Gräsche, der inzwischen fortgezogen war. In der Backstube arbeitete Bäcker Hanke mit einem Gesellen und einem Lehrling. Außerdem gab es noch einen Laufburschen, der die gebackenen Brote zu den Bauern brachte. Diese Bauern lieferten das Mehl selbst in der Bäckerei Dittrich an und hatten dann nur noch die Backkosten zu bezahlen.

 

Aus der Ehe gingen 2 Kinder - Junge und Mädchen - hervor. Frau Hanke verkaufte im Laden, nebenbei versorgte sie die Kinder und den Haushalt mit einer Hilfe.
In der Backstube wurden Brot, Semmeln, verschiedenes Kleingebäck, Kuchen, Torten, sonstiges Feingebäck und kleine Leckereien hergestellt. Über den Ladentisch wurde die Ware an die Kunden verkauft. Außer den Backwaren gab es auch einige Lebensmittel und eine große Anzahl von Süßigkeiten zu kaufen. Die gut schmeckenden Torten sind auch sonn- und feiertags ausgeliefert worden, und zwar nicht nur in Groß-Kniegnitz selbst, sondern auch in den umliegenden Ortschaften. Arbeit gab es also in Hülle und Fülle.

”Doch die Arbeit hat uns Freude gemacht”, so berichtete Frau Hanke. ”Wir hatten einen guten Umsatz, also waren die Kunden mit unserem Warenangebot zufrieden. Ich hatte viel Freude am Verkauf all dieser wohlschmeckenden Waren, und in der Backstube freute man sich, dass das Gebackene so gut ankam bei den Kunden.”
Frau Hanke erzählt weiter: ”Trotz Konkurrenz hatten wir drei Bäckerfamilien, nämlich die Familien Hanke, Instinsky und Dittrich, einen wunderbaren persönlichen Kontakt untereinander. Als wir damals die Bäckerei übernahm, fuhren wir die Backwaren mit Pferd und Wagen aus. Der Wagen war vorne offen, die Rückfront, auf der die Ware lagerte, war mit einer Plane überdeckt. Später, nämlich etwa Mai/Juni 1938 kauften wir einen Opel-Kadett, mit diesem haben wir dann die Backwaren ausgefahren. Dieses Auto kostete damals 2.850,- DM, wir haben es in Raten von monatlich 65,- DM abgezahlt.
Wenn dann in Reichenbach 1-2 mal monatlich Besprechungen der Bäckerinnung stattfanden, hat mein Mann die beiden anderen Bäcker, nämlich Herrn Instinsky und Herrn Dittrich, mit dem Auto mitgenommen. Meistens waren die drei ein fröhliches Trio!” Das Auto wurde während des Krieges von der 100. Jägerdivision ”sichergestellt”.

Ernst Hanke musste übrigens eine Dreifach-Prüfung ablegen, nämlich die Bäckerprüfung, die Konditorenprüfung und als drittes die Pfefferkuchenmeister-Prüfung. Der Dreifach-Meisterbrief hing im Laden.
Vor den Festtagen brachten die Kunden, meist die Bäuerinnen, den fertigen Kuchenteig in die Bäckerei. Dort wurde der Teig auf die Bleche aufgetragen, der Kuchen wurde nach den Wünschen der Kunden vorbereitet und gebacken. Nach dem Backen wurde der Kuchen wieder abgeholt, und zwar oftmals mit kleinen Kasten- oder Leiterwagen.
Ja, und was kosteten die Backwaren so damals? Frau Hanke weiß es noch: Ein 4-Pfund-Brot kostete 55 Pfennig, ein 5-Pfund-Brot 70 Pfennig, Schnecken und Semmel, jeweils 100g schwer, 5 Pfennig. Und Kontrollen gab’s auch: Wachtmeister Migura prüfte öfters, ob die Gewichte stimmten und dass Brote und Backwaren das richtige Gewicht hatten. ”Bei uns hat alles immer gestimmt!”, sagt Frau Erna Hanke nicht ohne Stolz.
Große Freude hatte Erna Hanke an ihrem Kleinvieh. Die kleine Viehwirtschaft umfaßte 6-10 Enten, die gleiche Anzahl Gänse, 30 Hühner, 3 Schweine, 2 Schafe und eine Vielzahl von Tauben. Besonders stolz war sie darauf, dass sie ihr Federvieh selbst züchtete: ”So manchem brütenden Tier hab’ ich heimlich ein Ei untergeschoben”, meinte sie spitzbübisch, ”und meist hatte ich das Glück, dass schönes, kräftiges Viehzeug schlüpfte!”
Telefon hatte die Bäckerei noch nicht. ”Wir sind immer rübergelaufen zu Mikesky, wenn wir doch mal telefonieren mussten!”, erzählt Frau Hanke.

Im Krieg wurde Ernst Hanke eingezogen. Seine Frau arbeitete mit dem Gehilfen allein weiter, bis sie im Jahre 1940 die Bäckerei geschlossen hat. Zu diesem Zeitpunkt war der Mietvertrag abgelaufen. Die Bäckerei Dittrich übernahm die restlichen Waren, wie Mehl, usw. Bäcker Instinsky nutzte in dieser Zeit die Backstube von Hanke, da Bäcker Instinsky die eigene Backstube modernisierte, indem er einen elektrischen Backofen einbauen ließ. Das Anwesen ist dann vom Besitzer Gräsche an Kurt Nulle verkauft worden. Dieser eröffnete dann ein Elektro-Installationsgeschäft.

Frau Hanke durfte mit ihren Kindern im Haus wohnen bleiben. Ihr Mann kam auch aus dem Krieg nach Großkniegnitz zurück. Im Herbst 1947 ist Familie Hanke mit den anderen letzten Deutschen aus dem Ort vertrieben worden. Mit dem Viehwagen ging es von Liegnitz über Forst, Cottbus nach Bautzen. Das Schicksal meinte es nach dem Kriege nicht besonders gut mit Frau Hanke. Als alleinstehende Mutter musste sie nicht nur arbeiten gehen, um die Familie zu ernähren, sondern auch ihren Kindern in schwierigen Zeiten einen guten Weg in die Zukunft aufzeigen. Dieser Aufgabe hat sie sich gestellt, und sie hat sie gemeistert, wobei sie sich immer selbst treu geblieben ist.
Frau Hanke ist, wie auch Ernst Hamke, inzwischen verstorben.

Bäckerei Instinsky.

Die Bäckerei Instinsky befand sich im Unterdorf. Zu finden ist sie im Ortsplan von Groß-Kniegnitz unter Nr. 45. Aus der Ehe der Familie Instinsky gingen 4 Kinder hervor, nämlich Gerhard, Käthe und Frieda, später mit Max Krause verheiratet gewesen, sowie ein verstorbenes Kind. Ein Nachkomme von Max Krause, nämlich Herr Dr. Manfred Krause,lebt heute in Nürnberg.

Viele Bewohner des Unterdorfes kauften dort ihr Brot und ihre Semmeln. Kuchen wurde ja in den Haushalten selbst gebacken. Aber oftmals brachte man den vorbereiteten Kuchen zum Instinsky-Bäcker zum Abbacken. Die schlesischen Semmeln, die in der Bäckerei gebacken wurden, waren viergeteilt und schön gleichmäßig groß. ”Mir steigt heute noch der appetitliche Geruch in die Nase und damit das Wasser in den Mund, wenn ich an die Semmeln von Bäcker Instinsky denke”, erzählt eine ehemalige Dorf-Mitbewohnerin. Und weiter: ”Während der ganzen Kriegszeit habe ich mir als Geburtstagsgeschenk eine frische Semmel vom Instinsky, dazu Butter und einen ganzen Rotkäppchen-Camenbert-Käse aus der Jordansmühler Molkerei (damals noch in einer Spanschachtel verpackt) gewünscht!” Es blieb leider bei dem Wunsch.

In der Sommer- und Herbstzeit, wenn die Früchte reif waren, ergaben sich übrigens kleine Nebenaufgaben für Bäcker Instinsky. Die Früchte wurden entsteint, geviertelt, auf’s Blech verteilt und zum Bäcker Instinsky zum Trocknen gebracht. Dadurch hatte man dann das schöne, haltbare Backobst, das zum Kochen des ”schlesischen Himmelreiches” diente. Gebraucht hierzu wurden ßpfel, Pflaumen und Birnen.

Um die Weihnachtszeit herum wurde dann in nahezu jedem Haushalt geschlachtet. In dieser Zeit hatte auch Bäcker Instinsky viel zu tun. Er buk ”Semmelbrote”, die körbeweise gekauft wurden und die in die ”Wurstfülle” kamen. Semmelbrote waren lange Weißbrote. Außerdem begann in der Vorweihnachtszeit das Backen des Pfefferkuchens. Auch vor sonstigen Feiertagen war Hochbetrieb bei Instinsky. Die Hausfrauen brachten oftmals auch den Festtagskuchen auf großen Blechen zum Abbacken. Sie wurden im Hausflur neben der Backstube abgestellt. Da musste man sich anmelden, so viel war da los! Große Kuchenbleche konnte man übrigens auch dort ausleihen.

Der kleine Laden befand sich an der Vorderseite des Hauses. Neben Backwaren konnte man auch Süßigkeiten kaufen. Um jedoch die Backstube zu betreten, musste man um das Haus herum gehen und einen hinteren Eingang benutzen.
Das Brot wurde, wie gesagt, im dazugehörigen Laden verkauft oder mit einem Handwagen von Frau Emma Schammler an drei Tagen in der Woche ausgefahren, und zwar jeweils vom Unterdorf bis hin zur Schule/Kirche bzw. auch bis ins Oberdorf.

Neben Brot wurden auch Mohnschnecken, Streuselschnecken, Prasselkuchen mit Schokolade,
Amerikaner (die Amerikaner sollen übrigens besonders gut geschmeckt haben!), Melonen mit
Schokolade (in Förmchen) gebacken und verkauft. Ein großes Angebot für damalige Zeiten,
wie ich finde! Vor Frau Schammler fuhr bereits unsere Dorf-Mitbewohnerin Frau Krügel
auf diese Weise das Brot aus.

Während des Krieges wurde die Heizung der Bäckerei Instinsky von Feuerung auf Elektro-Energie umgestellt. Die Backstube war mit vielen, elektrisch betriebenen Geräten ausgestattet. So gab es u.a. auch große Metallgefäße mit gewaltigen Knetarmen, in denen der Teig für Brote und Brötchen geknetet wurde. Bäcker Instinsky führte die Bäckerei bis zu Kriegsende weiter. Mehl lieferten übrigens die Mühlen von Nimptsch oder die landwirtschaftlichen Betriebe.

Auch unsere Dorfmitbewohnerin Inge Kunrad, geb. Nowag, damals etwa 5-6 Jahre alt,erinnert sich noch gut an die Bäckerei Instinsky und erzählt:
”Meine Tante Gustel sagte immer zu mir: ”Hol a poar Sammln!” Dann ging ich morgens so gegen 08.00 Uhr in die Bäckerei zum alten Instinsky und habe die noch ofenwarmen Semmeln geholt. Frau Instinsky gab sie mir immer in meine Schürze, weil sie noch zu heiß waren, so hab ich sie dann mitgenommen. Mit meiner Tante Gustl habe ich dann immer gefrühstückt, es gab die warmen Semmeln, Butter, selbstgemachte Marmelade und Kaffee. Super schmeckten sie, die frischen Semmeln, schön knusprig waren sie, wie man sie nirgendwo sonst bekam! Nach meinen Erinnerungen kostete damals eine Semmel etwa 5-6 Pfennige!”

Der Sohn der Familie war Gerhard Instinsky. Er lernte wie sein Vater das Bäckerhandwerk in Breslau. Ansonsten war er ein begeisterter Fußballspieler. In den Jahren 1932/1933 spielte er als Torwart in der Groß-Kniegnitzer Fußballmannschaft. Zur Konditionssteigerung fuhr er nach getaner Arbeit in der Backstube mal eben mit seinem Rennrad nach Breslau und zurück! Bis ins hohe Alter versah er seine täglichen Leibesübungen am offenen Fenster, gefolgt von Kalt- und Warmwaschungen. Nach Berichten seiner Mitspieler war er ein Klassetorhüter und einer der besten in der gesamten Umgegend. ”Er flog in die Ecken und holte jeden Ball herunter”, so ein ehemaliger Mitspieler. Gerhard Instinsky und seine Ehefrau Gertrud eröffneten später eine eigene Bäckerei in Heidersdorf. Im Mai 1937 wurde ihr Sohn Hans geboren, der im blühenden Alter von nur 17 Jahren als Bäckerlehrling verstarb.

Nach der Vertreibung lebte Bäcker Gerhard Instinsky lange Zeit mit seiner Frau Gertrud in Westkirchen, später in Enningerloh. Beide wurden lange betreut von unserer Dorf-Mitbewohnerin Gretel Winkler, geb. Rauer. Zuletzt lebten beide bei ihrem Neffen in Wittingen, Kreis Gifhorn. Frau Instinsky verstarb am 03. Januar 1996 kurz vor ihrem 87. Geburtstag. Ihr Mann Gerhard folgte ihr kurz vor Vollendung seines 89. Lebensjahres am 16.10.96.

Der Vater von Gerhard Instinsky starb im Jahre 1959. Dies habe ich dem Gemeindebrief von Herrn Pastor Klose, erschienen im Advent 1959, entnommen.

Im Jahre 1997 weilte ich in Groß-Kniegnitz. Dabei ergab sich die Gelegenheit, die Backstube der Bäckerei Instinsky zu besuchen. Der heute polnische Bäcker war hocherfreut über meinen Besuch und bedeutete mir mit den Worten ”Original Instinsky”, dass dies noch die Original-Einrichtung des damaligen deutschen Bäckers war. Ich konnte das Innere der Backstuben in Fotos festhalten, was mich sehr froh machte. So war es mir auch möglich, die riesigen Knetarme der Knetmaschine, die noch heute in der Bäckerei in Betrieb ist, zu fotografieren.

Nun möchte ich über die Bäckereien Dittrich sowie über Bäckermeister Spielmann berichten und mit einigen Anregeungen in Form von Rezepten diese Berichtserie beschließen.

Bäckerei-Dittrich:

Die Bäckerei Dittrich ist unter Nr. 56 im Ortsplan von Großkniegnitz verzeichnet. Die Familie Dittrich lebte in Groß-Kniegnitz recht zurückgezogen. Soweit sich Dorfbewohner erinnern, hatte die Familie Dittrich einen Sohn und eine Tochter. Der Sohn Karl jun. dürfte etwa Jahrgang 1914 gewesen sein. Er erlernte bei seinem Vater das Bäckerhandwerk. Später, im 3. Reich, hatte auch er Wehrdienst zu leisten und wurde Soldat. Nach dem Krieg lebt oder lebte er in Cornelimünster in der Nähe von Aachen. Über seinen späteren Verbleib ist nichts bekannt. Die Tochter mit Namen ”Annchen” hat in der Bäckerei mitgearbeitet. Nach dem Tod der Eltern hat die Tochter ”Annchen” noch eine kurze Zeit Brot und Semmeln gebacken. Annchen Dittrich wurde im Oktober 1946 mit dem 2. Transport ausgewiesen, zunächst nach Thüringen, später kam sie jedoch nach Westdeutschland und lebt bzw. lebte in Bad Salzufflen als verheiratete Frau Scholz.

Die Semmeln vom Dittrich-Bäcker waren nach Aussagen der Nachbarn, die dort kauften, die besten von allen Bäckern in Groß-Kniegnitz. Wer gerne einmal Mohnsemmeln oder rösche Roggenbrötchen selbst backen möchte, hier die Rezepte:

Mohnsemmeln
Zutaten:
500g Mehl, 30 g. Hefe, 1/4l Milch, 50g Butter oder Margarine, 1 Ei, 1 Teel. Salz, je 1 Messerspitze Pfeffer und geriebene Muskatnuss;
2 Eigelbe, 2 Eßl. Milch, 4 Eßl. Mohn;
für das Backblech: Butter oder Margarine
Das Mehl in eine Schüssel sieben und eine Mulde hinein drücken. Die Hefe hinein bröckeln und mit der Milch und etwas Mehl zu einem Vorteig verrühren. Zugedeckt 15 Minuten gehen lassen.
Die Butter oder die Margarine zerlassen, mit dem Ei, dem Salz, dem Pfeffer und der Muskatnuss mischen, an den Vorteig geben und mit dem gesamten Mehl zu einem glatten Hefeteig schlagen. Den Teig nochmals 15 Minuten gehen lassen.
Ein bis zwei Backbleche mit Fett bestreichen. Vom Hefeteig 40g schwere Stücke abwiegen, mit bemehlten Händen zu Kugeln formen und in genügendem Abstand voneinander auf das Backblech legen. Mit dem Handballen etwas flachdrücken. Die Semmeln zugedeckt weitere 20 Minuten gehen lassen. Den Backofen auf 220ß vorheizen.
Die Eigelbe mit der Milch verquirlen, die Semmeln damit bestreichen, mit dem Mohn bestreuen und kreuzweise einschneiden. Auf der zweiten Schiebeleiste von unten 20 Minuten backen.

Resche Roggenbrötchen
Zutaten:
500g Roggenmehl, 50g Sauerteig (vom Bäcker), etwa 1/2l Wasser, 10g Hefe;
1 gehäufter Eßl. Salz;
für das Backblech: Mehl
Die Hälfte des Mehles in eine Schüssel sieben. Den Sauerteig mit dem Wasser verrühren und mit der zerbröckelten Hefe gut unter das Mehl mischen. Diesen Vorteig zugedeckt an einem warmen Ort über Nacht stehen lassen.
Den Backofen auf 225ß vorheizen. Das Salz mit dem restlichen gesiebten Mehl unter den Vorteig kneten und den Teig schlagen, bis er Blasen wirft. Vom Teig 50g schwere Stücke abwiegen und zu Kugeln formen. Ein Backblech mit Mehl bestäuben, die Kugeln darauflegen, mit Wasser bepinseln, mit Mehl bestäuben und mit einem Messer einmal einschneiden. Die Brötchen auf der zweiten Schiebeleiste von unten 25 Minuten backen.

Auch die Mohnschnecken waren unübertroffen und für die Kinder immer ein besonderer Genuss. Ansonsten lief der Bäckereibetrieb ähnlich wie bei Instinsky, Semmeln, Brot und Kuchen wurden gebacken, auch fertige Kuchen zum Abbacken brachten die Familien in die Backstube.

Spielmann-Bäcker:

Für alle zum landwirtschaftlichen Betrieb von AK Rhode gehörenden Familien stand ein kleines Backhaus zum Backen von Brot und Kuchen im Käser-Gut zur Verfügung. Der Bäckermeister Wilhelm Spielmann regelte und beaufsichtigte das Backen. Gebacken wurde, wie gesagt, für alle Familien auf dem Dominium sowie auch für die Schlösser.
Bäcker Spielmann wohnte im ersten, langen Haus auf dem Käsergut. Hinweise finden sich im Ortsplan von Groß-Kniegnitz unter Nr. 99. Er war verheiratet mit Emma Spielmann, geb. Burkhard, diese war Groß-Kniegnitzerin. Drei Kinder gab es im Haushalt. Der Sohn der Familie hatte auch das Bäcker- und Konditorenhandwerk in Kurtwitz erlernt und arbeitete zuletzt als Bäckergeselle in Senitz. 1941 fiel er mit 18 Jahren im Krieg. Die Tochter aus erster Ehe lebte seit 1937 in Wilhelmshaven, geheiratet hatte sie einen Herrn Joseph Fietz aus Wilhelmshaven, der Maschinistenmaat bei der U-Boot-Flotille ”Salzwedel” war. Die Heiratsurkunde des Ehepaares Fietz wurde uns im Übrigen neben anderen Original-Heiratsurkunden nach unserer Reise in das Heimatdorf im Jahr 1995 von der jetzigen polnischen Gemeinde übergeben. Da diese Urkunde, stellvertretend für alle anderen Urkunden, sicher für die Groß-Kniegnitzer von großem Interesse ist, möchte ich ihr in meinem Bericht einen entsprechenden Platz einräumen:

Auch die andere Tochter mit Namen Ruth lebt heute noch in Wilhelmshaven. Sie hat, da sie aus gesundheitlichen Gründen an die Wohnung gebunden ist, mit besonderer Begeisterung unsere Dokumentation über Groß-Kniegnitz studiert.
Allen Groß-Kniegnitzern als kleines Kind bekannt ist übrigens noch Ortwin, der heute auch in Wilhelmshaven verheiratet ist und 2 Kinder hat.

In dem Gemeindebrief Advent 1958 von Herrn Pastor Klose ist zu lesen, dass Bäckermeister Spielmann 1958 starb, und zwar an der Bäckerkrankheit ”Staublunge”, Ehefrau Emma Spielmann starb 1956, beide sind in Wilhelmshaven beerdigt.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass in der Kleinert-Mühle Brot für den Verkauf gebacken wurde. Müller Kleinert hatte sich einen Backofen gebaut und sein selbst gemahlenes Mehl gleich zu Brot verbacken. Beliefert wurden die Dorfbewohner bis hin zum Unterdorf. Da fuhr die ”Kleinerten” (Frau Kleinert) mit einem großen 2-rädrigen Schubkarren durch das ganze Dorf und bot ihr kerniges Roggenmehlbrot an, was durch den eigenen Mühlenbetrieb besonders preisgünstig war. Auch nach Senitz und Kurtwitz ist Frau Kleinert mit dem Holzkarren gefahren, um ihr Brot zu verkaufen.

Über seine Erlebnisse mit dem Backen und den Bäckereien zu Groß-Kniegnitz weiß auch unser Heimatfreund Max Kroker einiges zu berichten:

”Meine Mutter buk alle zwei Wochen einmal Brot für die Familie mit fünf Personen. Dazu hatte sie einen extra Backtrog mit schrägen Wänden, so groß wie ein Küchentisch. Am Abend vor dem Backtag wurde eingeteigt. Dazu wurden die Wulgern vom letzten Backen in dem Backtrog mit Wasser eingeweicht, so daß wieder eine kleine Menge Brotteig bis zum nächsten Backtag entstand, denn die ”Wulgern” waren getrockneter Brotteig (Sauerteig) vom letzten Brotteig, natürlich mit der nötigen Menge Roggenmehl vermischt. Danach wurden in geflochtenen Strohschüsseln 5-6 große Brote geformt und nach dem nötigen ”Gehen” zum Instinska-Bäcker zum Abbacken gebracht.

Mittags musste ich mit der ”Roadber” (= Schiebekarre) die gebackenen Brote wieder vom Instinsky abholen. Und das deftige Brot schmeckte mit frischer Butter oder mit leckerem Griebenfett sowie mit Sirup, einfach herrlich!

Noch etwas zum Begriff ”Wulgern”: Zu Wulgern nahm man einen Klumpen ungebackenen Brotteig, den man zwischen den Händen zu Krümeln zerrieb, die dann getrocknet wurden, damit sie nicht schimmeln konnten. In einem Säckchen wurden sie bis zum nächsten Brotbacken aufgehoben.”

Wer von Ihnen, liebe Leserinnen, einmal ein pikantes Bauernbrot aus Roggenmehl nachbacken möchte, hier das Rezept:

Pikantes Bauernbrot
Zutaten:
1kg Roggenmehl, 100g Sauerteig (vom Bäcker), etwa 1l Wasser, 20g Hefe;
200g durchwachsener Speck, 1 Eßl. Salz, 200g geriebener Emmentaler Käse, 100g geschälte, gehackte Mandeln, 2 Eßl. gehackte Petersilie;
für das Backblech: Mehl

Ein Backblech mit Mehl bestreuen. Die Hälfte des Mehls in eine Schüssel sieben. Den Sauerteig mit dem Wasser und der zerbröckelten Hefe verrühren und mit dem Mehl mischen. Das Mehl leicht verkneten und zugedeckt über Nacht bei Raumtemperatur stehen lassen. Den Backofen auf 220ß vorheizen. Den Speck in kleine Würfel schneiden. Die Speckwürfel mit dem Salz, dem Käse, den Mandeln, der Petersilie und dem restlichen gesiebten Mehl mit dem gesäuerten Teig verkneten und zwei runde Laiber daraus formen. Die Laibe auf ds Backblech legen, ihre Oberfläche mit Wasser bestreichen und mit Mehl bestäuben und rautenförmig einschneiden. Die Brote auf der unteren Schiebeleiste 70 Minuten backen.

 

Doch auch Brotreste wurden noch verwertet. Man kochte entweder Brotsuppe (süß) oder Apfelbrotsuppe. Hier die Rezepte:

Brotsuppe (süß)
Zutaten:
Eine Handvoll altgewordenes Brot, 1/4l Wasser, etwas Salz, 50g Rosinen, 1/4l Milch, 1 Ei, 20-30g Butter, Zitronenschale
Das Brot in dem Wasser weichen lassen, dann aufkochen, dazu die Milch, Rosinen, die Prise Salz, alles zerquirlen, evtl. ein Stückchen Zitronenschale (unbehandelt) mitkochen. Zum Schluss das gequirlte Ei und die Butter zugeben (Aufpassen, daß das Eiweiß nicht gerinnt). Mit etwas Zucker abschmecken. (Während des Kochprozesses umrühren, damit die Suppe nicht anbrennt).

Apfelbrotsuppe
Zutaten:
125g altes Brot, 1 1/4l Wasser, 250g frische Äpfel oder Rhabarber, 1 Prise Salz, 4-5 El Zucker, etwas Zitronensaft, 40g Rosinen oder Korinthen
Das in dem Wasser eingeweichte Brot wird mit den zerschnittenen Äpfeln in 1/4-1/2l Wasser weichgekocht und durch ein grobes Sieb gestrichen. Danach wird die Suppe mit Salz, Zucker und Zitronensaft abgeschmeckt.

Max Kroker berichtet nun weiter:
”Kuchen gab es bei uns nur fünfmal im Jahr: Zu Ostern, Pfingsten, zur Kirschenernte, im Herbst zur Pflaumenernte und zu Weihnachten. Da gab es den dicken Streußelkuchen, der so dick im Streußel war, um Backgeld zu sparen, und die Maulsperre bekam man davon. Zur Kirschenzeit gab es den so genannten ”Spuck-Kuchen”, der deshalb so hieß, weil die Kirschen mit den Steinen auf den Teig gelegt wurden und darauf kam dick Streußel. Zum Entsteinen nahm sich Mutter nicht die Zeit. Gebacken wurden jedes Mal 2-3große Bleche. Um den Kuchen nicht zu verwechseln, steckte meine Mutter einfach in die Mitte einen Nagel. Und die Instinska-Bäckern sagte vor allen Leuten: ”De Krokern (die Frau Kroker) hoot a Kucha wieder oangenoolt (angenagelt)”. Und ich schämte mich, wenn ich den Kuchen holte, weil alle Leute lachten.

Vom Essen dieses Spuck-Kuchen gibt es noch eine besondere Geschichte. Gewöhnlich spuckte man die Kerne der Kirschen beim Essen aus, aber so mancher Kern rutschte auch in den Magen, um ihn auch wieder auf natürliche Weise zu verlassen.
Von diesen Kirschkernen erzählte man sich in der Heimat folgenden derben, aber echt schlesischen Witz: Auf dem Bauernhofe kam der kleine 3 bis 4 Jahre alte Junge mit einer Menge von Kirschkernen zum Vater, der ihm die Kirschkerne aufbeißen sollte. Nach einer Weile, nachdem er schon eine Menge der Kerne geknackt hatte, sagte der Vater: ”Verpuchter Junge, wu hust Du denn bloß die villa Kirschkerne har?” Darauf antwortete der Junge: ”Och Voater, hinter dr Scheune liegt a ganzes Häffla ... !!!”

Soweit also der Bericht unseres Heimatfreundes Max Kroker.

ßbrigens, über den ”Sträselkucha” gibt es ein nettes kleines Gedicht, welches ich hier nicht unerwähnt lassen möchte:

Sträselkucha

Schläscher Kucha, Sträselkucha,
dos ihs Kucha, sapperlot,
Wie’s uff Herrgoots weiter Arde
Nernt nich su woas Gudes hoot.
Wär woas noch su leckerfetzig,
Eim Geschmak ooch noch su schien:
ßber schläsche Sträselkucha
Tutt halt eemol nischt nich giehn!

”Schläscherkucha-Sträselkucha” ist ein 6-strophiges Gedicht von Hermann Bauch, es ist vertont und wurde öfters gesungen.

Einen Hinweis, dass noch ein weiterer ehemaliger Dorf-Mitbewohner mit dem Bäckerhandwerk in Verbindung zu bringen ist, habe ich im Jahre 1997 auf dem alten Friedhof in Groß-Kniegnitz entdeckt. Dort fand ich folgendes Grab-Denkmal: Anna und Wilhelm Puder, Bäckermeister, 1851 bis 1903. Weitere Hinweise auf den Beruf des Bäckers finden sich in einem Auszug aus einem alten Telefon- und Branchenbuch. Dort ist unter ”Groß-Kniegnitz” und ”Bäcker” zu finden: Beyer, P., Dittrich, Kleinert, dazu folgender Name: Instinsky, Herm.

Wie im Rahmen dieses Berichtes erwähnt, war das Brot das wichtigste Nahrungsmittel aller Kulturvölker und nahm daher einen hohen, geachteten Stellenwert ein. ”Unser täglich Brot gib uns heute”, so ist geschrieben auf manchem Wandteller, und so beten auch heute noch die Christen in aller Welt. Wenn wir heute erleben müssen, wie mit diesem, von der Natur gegebenen Inbegriff eines Nahrungsmittels oftmals umgegangen wird, sollte dies Anlass für uns alle sein, über das Brot und seinen Wert für uns Menschen neu nachzudenken.

Herzlich danke ich Frau Erna Hanke, Frau Edith Mikesky, Frau Margarete Winkler, Frau Hildegard Wende, Frau Johanna Gwosdz, Herrn Max Kroker sowie Herrn Walter Smolla, die mir halfen, diesen Bericht zu verfassen.

Wilfried Urbach