Bauernhof Haase im Oberdorf

 

H A A S E, „Hoase – Mühlberg in Gruß-Kniegnitz“ und Meßtischblatt Nr. 5267
Krs. Reichenbach unter der Eule
Gemarkung Groß-Kniegnitz, lfd. Nr. 34 mit der Erläuterung:
„Niedrige Anhöhe, auf der einst die Windmühle von Haase stand“

Von großer Heimatliebe und von einer Fröhlichkeit, die aus dem Herzen kommt!

Heimatfreund Günther Haase feiert seinen 80. Geburtstag

 

Liebe Groß-Kniegnitzer Heimatfreunde!
Als wir, die Heimatfreunde Groß-Kniegnitz, im Jahre 1998 unsere zweite große Fahrt nach Groß-Kniegnitz unternahmen, erlebten wir in unserem Heimatdorf in Schlesien unvergesslich schöne Stunden mit unseren polnischen Gastgebern. Und täglich schaue ich daher auch noch auf das hierunter folgende Bild, welches an meinem Schreibtisch seinen Platz gefunden hat. Beim Betrachten denke ich an die fröhlichen Stunden im Heimatdorf bei einem Becher Bier, einem gegrillten Schwein und bei noch viel mehr Wodka. Diese Stunden durfte ich besonders intensiv mit unserem Heimatfreund Günther Haase erleben, ja genießen. Damals, in 1998, da wurde Günther Haase gerade 70 Jahre alt.


(Foto: Günther Haase mit Wilfried Urbach)

 

Nun, 10 Jahre später, hat er wieder Geburtstag und vollendet am 12.12.2008 sein 80. Lebens-jahr. Das gemeinsam Erlebte und die guten Kontakte zu Günther Haase sollen mir Anlass sein, zu versuchen, zu diesem Ehrentag von Günther Haase ein Bild der Groß-Kniegnitzer Familie Haase nachzuzeichnen; dies in der Hoffnung, dass ich zum einen den Heimatfreunden Groß-Kniegnitz einen interessanten Artikel präsentieren kann, zum anderen aber, dass ich Günther Haase und seiner Familie damit eine Freude bereiten und ein bleibendes Andenken schaffen kann.

Die im Band 1 unserer Dokumentation veröffentlichten Auszüge aus dem Standesamtsregister der Gemeinde Groß-Kniegnitz von 1874 – 1877 enthalten bereits Hinweise auf die Familie Haase, nämlich:

1. Haase, Carl, ev., Viehwärter, geboren etwa in der Zeit 1840 - 1850.
2. Ehefrau dieses Carl Haase war Caroline Haase geb. Misch, ev., geb. 30.10.1844, verstorben 25.07.1920.
3. Aus der Ehe gingen hervor: Tochter Anna Luise, geb. am 10.12.1875 in Groß-Kniegnitz und Sohn Carl Fritz, geb. am 17.08.1877 gleichfalls in Groß-Kniegnitz.

Auch das „Alphabetische Einwohnerverzeichnis des Kreises Reichenbach“ verweist bereits auf Familie Haase, und zwar mit folgendem Eintrag:
„Haase, Alfred; Bauer und Haase, Anna, Auszüglerin“

Einen weiteren Hinweis auf Familie Haase finden wir in der „Flurnamensammlung der Historischen Kommission für Schlesien“, Meßtischblatt Nr. 5267, Krs. Reichenbach unter der Eule, Gemarkung Groß-Kniegnitz. Unter Nr. 34 des Meßtischblattes finden wir die Be-zeichnung „Haasemühlberg“, mundartlich der „Hoasemühlberg in Grußkniegnitz“, in der Rubrik „Namenserklärung“ finden wir die Erläuterung: „Niedrige Anhöhe, auf der einst die Windmühle von Haase stand“.

Im Ortsplan von Groß-Kniegnitz, zu finden am Anfang des Bandes 1 unserer Dokumentation über unser Dorf, lesen wir unter Nr. 64 : Haase, Alfred, Hausschlachter. Das Haus von Alfred Haase war nicht weit entfernt vom alten Friedhof in Groß-Kniegnitz. Ergänzend finden wir dann auch ziemlich zu Ende des ersten Bandes ein Bild, welches Alfred Haase zeigt, weitere Personen auf dem Bild sind: Herr Fischer aus Senitz, Anna Haase, die Mutter von Alfred Haase und Frau des Mühlenbesitzers Hermann Haase, zudem Herr Tiepoldt, Metzger, dann Grete Haase, die Schwester von Alfred Haase sowie Bruno Tiepoldt.

Womit wir, sozusagen als Ausgangspunkt unserer Betrachtungen, bei den Großeltern väterlicherseits von Günther Haase angekommen wären. Der Großvater von Günther Haase war der Mühlenbesitzer Hermann Haase.

Hermann Haase, gefallen im ersten Weltkrieg

Hermann Haase war verheiratet mit Anna Haase geb. Hake, sie stammte aus Habendorf. Seine Frau Anna Haase geborene Hake war geboren am 9.10.1876. Aus der Ehe gingen 4 Kinder hervor, nämlich 3 Jungen und 1 Mädchen. Dies waren: Sohn Alfred, geboren 12.7.1899, verstorben 1964, dann noch Sohn Walter, Tochter Grete und Sohn Arthur.

Die „Hoasemühle“ auf dem Hoasemühlberg

Die Mühle selbst befand sich Richtung Eichberge / Matritzke. Gemahlen wurden dort alle Getreidesorten. Mühlenbesitzer Hermann Haase fiel im 1.Weltkrieg. Danach ist die Mühle abgerissen worden. Wie bereits dargestellt, war eines der Kinder von Hermann Haase der Sohn Alfred Haase, geboren in Weigelsdorf. Alfred ging in Groß-Kniegnitz zur Schule und erlernte dann den Beruf eines Fleischers. Später, nämlich 1926, heiratete er dann seine Frau Minna Haase geb. Schöps aus Großburg im Kreis Strehlen. Aus dieser Ehe gingen 5 Kinder hervor, 4 Jungen und ein Mädchen.
Dies waren:
- Siegfried, geboren am 18.11.1927
- Günther, geboren am 12.12.1928
- Renate, geboren am 25.10.1930
- Horst, geboren am 27.11.1933
- Wolfgang, geboren am 6.7.1942.

 

Verstorben sind bereits Siegfried und Wolfgang. Alfred Haase bewirtschaftete einen kleinen Bauernhof im Oberdorf, der ca. 17 Morgen Land, davon 6 Morgen Eigentum, umfasste. Angebaut wurden Kartoffeln, Runkeln, Zuckerrüben und Getreide. An Tieren waren auf dem Bauernhof vorhanden: 3 – 4 Kühe, Schweine, Hühner, Tauben und Gänse. Zudem arbeitete er im Sommer bei den Maurern, im Spätherbst bis in den Winter hinein war er in der Zuckerrübenfabrik in Kurtwitz tätig. Außerdem war Alfred Haase auch als Hausschlachter tätig. Er schlachtete Schweine, aber auch Ziegen. Hergestellt hat er u. a. Blut-, Well-, Leber-, Rotwurst, Preßwurst und Schinken. Für zu räuchernde Wurstwaren unterhielt er eine Räucherkammen für 6 Schweine. An Fleisch gab es Kotelett und Braten. Und natürlich gab es dann auch die gute Wurstsuppe, angereichert mit Wellfleisch oder Wellwürstchen. Günther und seine Geschwister durften sie dann in der Nachbarschaft austragen. „Das war ein erträgliches Geschäft für uns Kinder“, erinnert sich Günther, „ gab es doch immer 5 oder 10 Pfennige dafür. Davon kauften wir Kinder uns dann Bonbons und Brathering mit viel Soße im Kaufladen von Schmidt!“ Alfred starb an 19. März 1964 in Ostenfelde, seine Ehefrau Minna starb am 11. März 1974.

Nun sind wir also bei unserem Heimatfreund Günther Haase angelangt. Er wurde, wie bereits erwähnt, am 12.12.1928 als eines der 5 Kinder von Alfred und Minna Haase in Groß- Kniegnitz geboren. Günther ging von 1935 bis 1943 in Groß-Kniegnitz zur Schule. Seine Lehrer waren Herr Radewahn, Herr Preiss, Herr Huhn, Herr Zöfelt und Herr Gellrich.Mit ihm in eine Klasse gingen u.a. Max Scholz, Herbert Jahndel, Hermann Hilpert, Margot Willner, Inge Nowag, Heide Rösner. Meist saß er in der Schule neben Herbert Jahndel. Auch als Läutejunge war Günther lange Zeit tätig. Wir erinnern uns alle in diesem Zusam-menhang sehr gerne an den schönen Bericht unseres unvergessenen Heimatfreundes Ernst Ponert: „Als Läutejunge in Großkniegnitz“. Dieser Bericht wird auch Günther sehr an seine eigene Jugendzeit erinnert haben. Konfirmiert wurde er 1943 von Herrn Pastor Klose. Mit ihm konfirmiert wurde vor allem auch seine bereits genannten Klassenkameraden. Gut befreundet war er mit dem Jahndel-Herbert, dieser war sein Spielkamerad. Herbert lebt heute in Lage/Lippe. Aber auch Maxe Scholz zählte zu seinem Freundeskreis. Nach Schule und Konfirmation erlernte Günther dann ein Jahr den Beruf eines Elektrikers bei seinem Lehrmeister Heine in Jordansmühl, das zweite Lehrjahr in Panthenau. Er ging je ein Jahr in Langenbielau und in Breslau zur Berufsschule. Im 2. Lehrjahr wurde er dienstver-pflichtet in Reichenbach. Sein 3. Lehrjahr absolvierte er bei Gritzner in Ostenfelde, zur Berufsschule ging er in Warendorf.

1945 wurde er zum Volkssturm eingezogen. Unvergessen für ihn das Erlebte, als sein Koffer, gefüllt von zu Hause mit Wurst, Speck und Brot, in Görlitz spurlos verschwunden war. Nach Flucht und Vertreibung landete auch Familie Haase wie die meisten Groß-Kniegnitzer Familien in der Region Warendorf. Familie Haase kam nach Ostenfelde.

1960 heiratete Günther seine Ehefrau Herta Haase. Die Hochzeit fand in Abbensen Krs. Peine statt. Es war eine Doppelhochzeit, gemeinsam mit der Schwester von Ehefrau Herta wurde geheiratet. Sehr gerne hätte der damalige Pfarrer in Ostenfelde, Pastor Wendt, die Trauung in der Flüchtlingskirche zu Ostenfelde, in der Kirche also, in der auch das Groß-Kniegnitzer Abendmahlsgerät aufbewahrt ist, vorgenommen. Leider war dies durch die Doppelhochzeit in Abbensen nicht möglich. Herta und Günther bauten sich in Oelde ein Haus. Aus der Ehe ging eine Tochter namens Sabine hervor. Inzwischen sind Herta und Günther glückliche Großeltern von Zwillingen.

Über Jahre hinweg unterhält Familie Haase bereits Kontakt mit der jetzigen polnischen Familie, die nun im Elternhaus von Günther in Groß-Kniegnitz wohnt. Briefe, Pakete und Geschenke nehmen ihren Weg von Oelde nach dem heutigen Ksiegienice-Wielkie. Dies zeigt, dass die in Freundschaft ausgestreckten Hände von beiden Seiten angenommen wurden. So, wie wir Groß-Kniegnitzer Heimatfreunde es auch taten und erlebten bei unseren beiden Besuchen in Groß-Kniegnitz in 1995 und 1998. Eine schöne Erinnerung an das Elternhaus ist jedoch heute noch im Heim von Günther Haase in Oelde zu finden: Die Haustürglocke, die damals in Groß-Kniegnitz an der Haustür zu finden war! Sobald in Groß-Kniegnitz die Haustürglocke erklang, wusste die Familie, dass jemand kam, um zum Schlachten zu bestellen. Wenn die Türe geöffnet wurde, bimmelte dann diese Glocke. Beim zweiten Besuch nach dem Kriege in Groß-Kniegnitz schenkte ihm, unserem Günther, der jetzt im Hause Haase wohnende Pole diese Glocke! Ein bewegender Augenblick für Günther Haase! Heute hängt diese Glocke in seinem Eigenheim in Oelde, allerdings nicht über der Eingangstüre, sondern über der Etagentür. Schließlich kann unser Heimatfreund heute ja keine Schlachttermine mehr entgegennehmen.....! Außerdem sind eine Sturmlampe und eine Petroleumlampe, beide sandgestrahlt und gereinigt, Andenken für Günther Haase an die alte Heimat. Sie zieren heute die Wohnung in Oelde. Gefunden wurden diese Gegenstände auf dem Dachboden des Hauses in Groß-Kniegnitz. Auch diese Gegen-stände gab die jetzt dort lebende polnische Familie an Günther Haase weiter.

Den Heimatfreunden Groß-Kniegnitz sind Herta und Günther Haase sehr eng verbunden. Stets haben sie den Zusammenhalt der Groß-Kniegnitzer gefördert. An den Reisen der Heimatfreunde Groß-Kniegnitz in das Heimatdorf haben sie teilgenommen, kaum ein Treffen der Heimatfreunde Groß-Kniegnitz in Warendorf haben sie versäumt.

Dafür sagen wir an dieser Stelle Dank. Unserem Heimatfreund Günther Haase gratulieren wir sehr herzlich zu seinem 80. Geburtstag und wünschen ihm alles Gute, viel Gesundheit und noch viele schöne Jahre mit seiner Herta und mit den Enkelkindern! Und, lieber Günther, bewahre Dir vor allem Deine große Fröhlich-keit!

Für die Heimatfreunde Großkniegnitz Irene Postler und Wilfried Urbach Klassenfoto mit Günther Haase Günther und Horst Haase Günther, Renate und Horst Haase


Vor dem Haus von Familie Haase in Groß-Kniegnitz: Günther, Herta und Sabine Haase und die jetzigen Bewohner: Kotwicka, Bernarda mit den Kindern Elisabeth und Irek

Diesen Bericht widme ich meinem Freund Günther Haase zu dessen 80. Geburtstag am 12.12.2008

Wilfried Urbach