Pastor Emanuel Klose

 

Ab 1935 bis zur Vertreibung Pfarrer in Großkniegnitz




"Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft."
(Psalm 138,3)

Mit obigem Psalm begann der erste Gemeindebrief, den Pastor Klose am 17.05.1946 an seine in alle Winde verstreuten Gemeindeglieder schrieb. Und dieser erste Gemeindebrief enthielt auch eine Passage, die die Grundeinstellung dieses Gemeindeseelsorgers in wunderbarer Weise widerspiegelt:

"Ich bin gerne bereit, Euch weiterhin zu dienen und zu helfen, denn ich bleibe, was ich immer war, auch jetzt: Euer Pastor!"

Emanuel Klose wurde am 31.01.1904 in Lüben in Schlesien geboren. Das Theologiestudium absolvierte er in Bethel, Greifswald, Erlangen und Breslau. Die Ordination erfolgte 1933 in Breslau. Seine erste Pfarrstelle übernahm er 1935 in Großkniegnitz, als Nachfolger von Pastor Petran, der Superintendent des Kirchenkreises Nimptsch geworden war.

In Großkniegnitz fand Pastor Klose eine geordnete, lebendige Kirchengemeinde vor. Viel Unterstützung bei seiner nicht leichten Arbeit erhielt er durch den sehr aktiven Hauptlehrer und Kantor, Herrn Ernst Zöfelt.

Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Demut vor Gott und der tiefe Wunsch, der Gemeinde zu dienen, brachten Pastor Klose sowie seiner gesamten Familie Anerkennung und aufrichtige Dankbarkeit der Gemeinde ein. Während des Krieges galt seine Sorge insbesondere auch den Männern aus dem Dorf, die an der Front waren.

Er lebte nicht nur in der Gemeinde, er lebte mit seiner Gemeinde", sagte einmal seine Gattin, Frau Ruth Klose.

Am 15.02.1945 war der Aufbruch des Dorfes zur Flucht. Ein Teil des Trecks, der keine Fuhr-werke zur Verfügung hatte, wurde in Glatz abgetrennt und für 8 Wochen in der Tschechei in Lagern untergebracht. Dazu gehörte auch Familie Klose. Am Kriegsende kam diese Gruppe nach Bayern. Dort erhielt Pastor Klose nach dreijähriger Übergangszeit eine Pfarrstelle in Schnabelwaid/Ofr. Mit seiner Heimatgemeinde, die bis 1946 bzw. 1947 eine schwere Zeit erlebt hatte und nach der Vertreibung im Münsterland und in der damaligen DDR angesiedelt wurde, hatte er durch die regelmäßigen Heimatbriefe ständigen Kontakt.


Ein unsichtbares Band der Verbundenheit waren seine Gemeindebriefe, in denen er zu Geburtstagen, Jubiläen und ähnlichen Anlässen gratulierte, aber auch die traurigen Nachrichten mitteilte.
"An Freud und Leid in allen Familien nehmen wir herzlich Anteil und wünschen, daß Gott alles zum Segen gedeihen lasse!",
schrieb Pastor Klose in seinem Gemeindebrief im Advent 1952. Diese Worte spiegeln das Verhältnis zwischen Familie Klose und den Menschen der ehemaligen Gemeinde wider. Immer einen Platz in seinen Gemeindebriefen fanden die Berichte aus der alten Heimat, geschrieben von Herrn Hauptlehrer Ernst Zöfelt.

Die Gemeindebriefe endeten im Jahre 1963. Neunzehn an der Zahl waren es, die die Großkniegnitzer in eine neue Zukunft begleiteten.
"Wir bleiben auch ohne den Gemeindebrief miteinander verbunden. Herzlichen Dank für alle Liebe und Anhänglichkeit und viele Grüße, Gott befohlen!", das waren die letzten Sätze, die Pastor Klose damals im letzten Gemeindebrief schrieb.
Die Gemeindebriefe konnten im Jahre 1993, also nahezu 50 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Gemeindebriefes, nochmals allesamt wieder zusammengetragen werden und sind nunmehr, wie auch die darin enthaltenen Berichte von Herrn Hauptlehrer Ernst Zöfelt, Teil des Bandes 2 der Dokumentation über Großkniegnitz.

Seine Gemeinde Schnabelwaid konnte Pastor Klose bis zu seiner frühzeitigen Pensionierung 1964 wegen Erblindung betreuen. Eine seiner Predigten, gehalten am 13.09.1953 im Gottesdienst dieser Gemeinde, hat in Band 4 der Dokumentation über Großkniegnitz ihren Platz gefunden.

1950 besuchte Familie Klose die Gemeindeglieder der alten Gemeinde Großkniegnitz in Warendorf-Beelen-Ostenfeld-Westkirchen. Die neue Flüchtlingskirche in Ostenfelde war gerade erbaut und und ihrer Bestimmung übergeben worden.

Am 30.Juli 1986 verstarb Herr Pastor Emanuel Kloseim Alter von 83 Jahren. Am 4. August 1986 fand er auf dem Waldfriedhof in Schwabach seine letzte Ruhestätte. Seine Gattin, Frau Ruth Klose, lebt heute in Marktheidenfeld am Main. Die Beziehungen zwischen Frau Klose und der alten Gemeinde werden auch heute noch von beiden Seiten sorgfältig gepflegt.

Am 30.Juli 2001 jährte sich zum zehnten Male der Todestag von Pastor Emanuel Klose. Die Großkniegnitzer Heimatfreunde gedenken ihres Pastors von ganzem Herzen und fühlen sich den hinterbliebenen Familienangehörigen tief verbunden.