Elisabeth Zaplotny geb. Witowski

 

"Vielleicht hat es der Himmel so gewollt!"

 

PiloriLiebe Heimatfreunde,

mit diesem Kapitel wollen wir eine Heimatfreundin ehren, die sich in großem Maße verdient gemacht hat um die Mitglieder ihrer

ehemaligen Gemeinde Großkniegnitz.

Am 01. November 2002 feiert Frau Elisabeth Zaplotna, geborene Witowski ihren 75. Geburtstag.

1927 geboren, erlebte sie schöne Kindheits- und Jugendtage in der alten Heimat. Zum Zeitpunkt der Flucht und der Vertreibung blieb sie in unserem Heimatdorf zurück. Ihr Vater, Hofverwalter des Rhode-Gutes, wollte das Heimatdorf nicht verlassen, weil er Herrn Rhode versprochen hatte, das Gut zu erhalten. Die ersten Jahre nach 1945 waren schlimm für sie als Deutsche, viel Schmach musste sie ertragen in jener Zeit. 1956 heiratete sie Herrn Florek Zaplotny, in ihm fand sie einen lieben und verständnisvollen Ehemann. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, nämlich Raimund, geboren 1957 und Peter, geboren 1960.

Nachdem so langsam Briefverkehr und Reisen in die alte Heimat wieder möglich wurden, war es wie ein Geschenk für uns, daß "Lisbeth", wie wir sie nennen, in der alten Heimat geblieben war. Sie war es, die vielen Großkniegnitzern wieder den Weg in die alte Heimat ebnete, indem sie bei den einzelnen Familien vorsprach und so die Besuche ermöglichte. Dass dies in einer Zeit der politischen Kälte zwischen Ost und West eine äußerst schwierige Aufgabe war, lässt sich unschwer erahnen. Sie stellte sich jedoch diesem Problem, im Interesse der Menschen ihrer alten Heimatgemeinde Großkniegnitz und ungeachtet der persönlichen Erschwernisse. Darauf angesprochen, meinte sie nur: "Vielleicht hat es der Himmel so gewollt!"
Auch ihre Wohnung stand den Besuchern der alten Heimat stets offen, sei es für Besuch oder auch für Übernachtungen.

Als im Jahre 1995 die erste große Gruppenreise der Heimatfreunde ins Heimatdorf in der Ferne anstand, half Elisabeth Zaplotny nach Kräften mit, diese Reise zum Erfolg werden zu lassen. So hatte sie die nicht leichte Aufgabe übernommen, in den einzelnen polnischen Familien vorzusprechen und die Besuche in den Häusern und auf den Höfen anzukündigen. Eine nicht leichte Aufgabe, waren doch auch bei den jetzigen polnischen Familien Bedenken und Ängste vorhanden. Dies alles galt es, vorsichtig abzubauen. Diese Aufgabe hat Elisabeth Zaplotny gemeistert im Interesse der Heimatfreunde Großkniegnitz und im Interesse einer neuen Zeit, eines neuen Geistes zwischen den beiden Gemeinden, der ehemaligen Gemeinde Großkniegnitz sowie der jetzigen polnischen Gemeinde Ksiegienice-Wielkie.

Während unseres Aufenthaltes selbst war die Familie Zaplotny Dreh- und Angelpunkt sowie Anlaufstelle für alle Teilnehmer an dieser historischen Reise. Unvergessen bei allen ihre Kaffeetafel mit schlesischem Mohn- und Streuselkuchen. Dass alle Familienmitglieder, vor allem auch ihr polnischer Ehemann Florek, in die anfallenden Arbeiten eingespannt waren, soll hier nicht unerwähnt bleiben.

Inzwischen lebt ihr Sohn Raimund in Neu-Isenburg bei Frankfurt. Dadurch hat sie nunmehr auch die Möglichkeit, an den Warendorfer Treffen des Kreises Reichenbach teilzunehmen, sehr zu ihrer eigenen Freude und zur Freude der Heimatfreunde.

Auch heute noch ist Elisabeth und ihre Familie Ansprechpartner für alle, die kommen, um die alte Heimat wiederzusehen. Insoweit hat sich nichts geändert an ihrem Handeln und Tun!

Auch heute noch hat sie mit ihrer Familie den Mut, in vielen Dingen den Neuanfang zu wagen. So hat sie zunächst, nachdem es durch die Wende auch in Polen möglich wurde, den Rückkauf des elterlichen Anwesens in Angriff genommen. "Nun kann uns niemand mehr hinauswerfen!", sagte sie dazu.

Auch gemeinsam mit Sohn Peter gibt es Zukunftspläne. So entsteht derzeit auf dem Grundstück der Familie eine kleine Pension, die Sohn Peter führen wird.

Für die Liebe und Treue, die sie in den langen, vergangenen Jahren den Menschen ihrer alten Heimatgemeinde Großkniegnitz und damit uns als den Heimatfreunden Großkniegnitz entgegengebracht hat, sowie für ihre Vermittlung zwischen beiden Gemeinden, der jetzigen polnischen Gemeinde und der ehemaligen polnischen Gemeinde, möchten wir an dieser Stelle von ganzem Herzen Dank sagen. Sicherlich schließt sich die heutige polnische Gemeinde diesem Dank an.

Wir wünschen Elisabeth Zaplotna Gesundheit und Wohlergehen im Kreise der Familie. Wir werden nicht vergessen, was sie für beide Gemeinden getan hat!

 

Elisabeth mit meiner Frau Hannelore im Mai 2002: