Edith Mikesky

 

"Ihre Schäfchen hielt sie stets zusammen!"

 

 

Liebe Heimatfreunde!

Unsere Heimatfreundin, Frau Edith Mikesky, hat sich in höchstem Maße verdient gemacht um unsere Heimatgemeinde Großkniegnitz sowie um uns, die Mitglieder der Gemeinde.

Daher ist ihr dieser Artikel gewidmet.

Am 27. Juli 1923 geboren, erlebte sie gemeinsam mit ihren Geschwistern Günther, Erhard und Ruth schöne Kindheits- und Jugendtage auf dem Hof der Familie in Großkniegnitz. Der Hof lag zwischen dem Dominium und der "Lache-Schmiede", war 32 ha groß und wurde von Vater Richard und Mutter Wally, geb. Mende, bewirtschaftet. Der Anbau war vielfältig,Weizen, Zuckerrüben, Roggen, Sommer- und Wintergerste, Hafer, Kartoffeln, usw. und auch Tiere gab's reichlich zu versorgen: Hühner, Enten, Puten, Gänse, Schweine, Kühe, Rinder und Pferde. Dass da neben den etwa 10 dort beschäftigten Personen alle Familienmitglieder,so auch Edith und ihre Geschwister, kräftig mit anpacken mussten, sei nur am Rand erwähnt. Der zweite Hof der Familie befand sich in Lauenbrunn, von diesem Hof stammte der Vater.

Die Schulzeit bei Hauptlehrer Zöfelt sowie die Konfirmation im Jahre 1937 bei Pastor Klose durfte Edith Mikesky noch in ihrem Heimatdorf erleben.

Im April 1946 mußte auch Edith Mikesky mit Eltern und der Schwester Ruth ihre Heimat verlassen. Die Brüder Erhard und Günther waren zu diesem Zeitpunkt in Kriegsgefangenschaft. Wie schlimm dieser Augenblick war, als sie den heimatlichen Hof verlassen mussten, das hat Edith im Band 4 der Dokumentation über Großkniegnitz festgehalten: "Nie werde ich diesen Augenblick vergessen, als wir aus dem Hoftor gingen, und Mutter sich umdrehte und sagte: Auf Wiedersehen, geliebtes Haus!"

In Beelen, Westfalen endete die Vertreibung, und es begann für Edith wie auch für den Rest der Familie ein neuer, schwieriger Anfang. Edith fand zunächst Arbeit in einer Fabrik und wohnte im Hause der Familie, welche dieses mit viel Eigenleistung erbaut hatte. Nach dem Tode der Eltern und dem Wegzug der Geschwister blieb Edith Mikesky im Hause wohnen. 27 lange Berufsjahre arbeitete sie beim Buchclub "Bertelsmann" in Rheda, bis sie in den wohlverdienten Ruhestand trat.

Bereits seit der Vertreibung ist die Familie Mikesky stets für die Großkniegnitzer dagewesen, denn wie auch Familie Mikesky, so fanden viele Großkniegnitzer in der Stadt Warendorf und in den Dörfern Beelen, Ostenfelde und Westkirchen eine neue Bleibe.

Kreis und Stadt Warendorf übernahmen sehr bald die Patenschaft über Kreis und Stadt Reichenbach/Eulengebirge, und damit auch über die Großkniegnitzer. Sie richteten alle zwei Jahre für die Menschen aus diesem Kreis Reichenbach ein Heimattreffen aus. Diese Treffen finden auch heute noch statt.


Die Großkniegnitzer aus der Umgegend von Warendorf trafen sich nicht nur bei diesen zweijährigen Treffen, sie kamen auch zusammen, wenn jemand von ihnen zu Grabe getragen wurde.

Aus der ehemaligen DDR durften auch schon vor der Wende die Rentner und die erwerbsunfähigen Menschen in den Westen reisen und so an den Treffen teilnehmen. Weil die Familie Mikesky schon immer sehr gastfreundlich war, und sie sich, wie erwähnt, in Beelen - Ostenfelde ein eigenes Haus geschaffen hatte, fanden immer einige Besucher der Warendorfer Heimattreffen, so sie von weit her gekommen waren, bei der Familie Mikesky bereitwillig Unterkunft.

Nachdem Frau Wally Mikesky im Jahre 1978 gestorben war, setzte ihre Tochter, Edith Mikesky, diese schon zur Tradition gewordene Gastfreundschaft fort. So geschah es, dass einen Tag vor dem Warendorfer Kreistreffen, am 18. Juni 1982, abends in der Wohnung von Frau Edith Mikesky ca. 15 Großkniegnitzer zusammengekommen waren. Die Anwesenden fassten den Entschluss, Edith Mikesky darum zu bitten, ein gesondertes Treffen für die Großkniegnitzer in einer geeigneten Gaststätte in der Umgebung von Warendorf zu organisieren. Diese Zusammenkünfte sollten künftig alle zwei Jahre, jeweils am Freitagabend vor dem Kreistreffen, stattfinden.

Edith Mikesky übernahm bereitwillig diese Aufgabe. Über Jahre hinweg schaffte sie es, ihre Schäfchen stets zusammenzuhalten. So kamen am 15.06.1984 in einem Lokal in Beelen in der Ostheide ca. 50 Großkniegnitzer zusammen. Am 13.06.1986 waren es im Restaurant "Herrlichkeit" in Warendorf ebenfalls ca. 50 Personen, die dem Ruf von Edith Mikesky folgten. Alle 2 Jahre organisierte Edith Mikesky dann die Folgetreffen, die von den Heimatfreunden gerne angenommen wurden.

Die Familie Rieke aus Kalletal (Weinert-Anneliese) hatte zu einem Großkniegnitzer Treffen vom 03.- 05. April 1987 nach dem "Riekenhof" eingeladen. Dort verlebten ca. 45 Großkniegnitzer unter Leitung von Edith Mikesky drei unvergesslich schöne Tage.

Am 17.06.1988 trafen sich wieder im Restaurant "Herrlichkeit" in Warendorf ca. 50 Großkniegnitzer. Weiter hatte uns Edith Mikesky für den 08.06.1990, für den 19.06.1992 sowie für den 10.06.1994 in das Restaurant "Wiesenhof" nach Warendorf eingeladen. In diesen drei Jahren waren auch wieder jeweils etwa 50 Personen erschienen.

Das Treffen am 07.06.1996, wiederum unter Leitung von Edith Mikesky veranstaltet, brachte dann einen vorläufigen Höhepunkt: 140 Großkniegnitzer Heimatfreunde folgten ihrem Ruf und trafen sich bereits freitags zum "Kniegnitz-Treffen" im "Emshof" in Warendorf sowie samstags zu einem feierlichen Kniegnitzer Gottesdienst in der Flüchtlingskirche Ostenfelde mit Pastor Bolz, Sohn des verstorbenen Pastors Friedrich Bolz aus Prauss. Höhepunkt dieses Gottesdienstes war dann auch die Feier des Heiligen Abendmahles mit dem Original Großkniegnitzer Abendmahlsgerät.

Am 05.06.1998 hatte dann Edith Mikesky wiederum zum Großkniegnitzer Treffen geladen. Höhepunkt dieses Treffens war wiederum ein Großkniegnitzer Gottesdienst, der verbunden war mit der Feier der Goldenen Konfirmation für 20 Mitglieder der ehemaligen Heimatgemeinde Großkniegnitz.

An dieser Stelle sei Edith Mikesky gedankt für ihren nimmermüden Einsatz. Nur durch dieses persönliche Engagement war es möglich, die schönen Großkniegnitzer Treffen nicht nur am Leben zu erhalten, sondern auch mit Leben zu erfüllen. Wir erleben auf dem Kreis-Treffen immer wieder, dass so manche ehemalige Dorfgemeinschaft unseres ehemaligen Kreises Reichenbach nicht mehr vertreten ist, eben weil diejenigen fehlen, die Impulse vermitteln.

Über alle Aktivitäten für ihre Heimatfreunde hinweg hat sie jedoch auch ihre Heimatkirche in Großkniegnitz, damals für die Familien Mittelpunkt des christlichen Lebens im Dorf und Ort von Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Beerdigungen, nicht vergessen. Bei der Reise der Großkniegnitzer Heimatfreunde 1995 in das Heimatdorf in der Ferne hatte man festgestellt, dass eine Restaurierung dringend notwendig erschien, und so zählte sie zu den Mit-Unterzeichnern eines Spendenaufrufes zum Erhalt unserer Kirche in Großkniegnitz. Dass die Restaurierungen inzwischen beendet sind und dass mit dieser Hilfe auch der jetzigen polnischen Gemeinde die Hand zur Versöhnung gereicht wurde, ist auch mit ihr Verdienst.

Am 12. März 2002 ist Edith Mikesky verstorben. Wir, die Mitglieder ihrer Heimatgemeinde, danken Edith Mikesky für ihren jahrelangen, nimmermüden Einsatz, für ihr stetes, unermüdliches Engagement für die Heimatfreunde Großkniegnitz und für die alte Heimat. Wir werden nicht vergessen, was Edith Mikesky für ihre Heimatgemeinde getan hat!

Wilfried Urbach