Die Restaurierung der Kirche von Grosskniegnitz

 

 

Liebe Großkniegnitzer Heimatfreunde!!

 

Zum Jahresende 2001 möchte ich noch mit einer besonders schönen Nachricht aufwarten:

Die Sanierung und Restaurierung der Kirche in Großkniegnitz ist beendet!!

Dies wurde mir von der jetzigen polnischen Gemeinde Ksiegienice-Wielkie mitgeteilt.

Ich möchte diese Nachricht zum Anlass nehmen, noch einmal diese Zeit der Renovierung und Sanierung an uns vorüberziehen zu lassen.

Im Jahre 1995 fand unsere erste Reise in die alte Heimat statt. Wir wurden damals mehr als freundlich von der jetzigen polnischen Gemeinde aufgenommen, feierten dort u.a. einen gemeinsamen deutsch-polnischen Gottesdienst sowie hielten in der Kirche eine Gedenk- und Dankfeier ab. Ernst Ponert (verst.) hielt damals die Festansprache.

Wir erkannten jedoch auch, dass unsere Kirche sehr renovierungsbedürftig ist und legten spontan Geld zusammen. So kam es, dass wir der polnischen Gemeinde einen Erstbetrag für dringende Sanierungen an der Kirche zur Verfügung stellen konnten.

Eine Bestandsaufnahme, im Anschluss an unseren Besuch von der Gemeinde eingeleitet (Oktober/November 1995), zeigte die Mängel auf und stellte die Renovierungsmöglichkeiten und dazu auch die Kosten dar. Ohne Dach-Neueindeckung waren dies etwa 20.000,- DM, die gebraucht würden, um die Kirche in zunächst einmal allen dringlichen Bereichen zu sanieren.

Im Januar 1996 begann dann unsere Spendenaktion zugunsten der Restaurierung unserer Heimatkirche in Großkniegnitz. Zeitgleich begann auch eine Spendensammlung zum gleichen Zwecke innerhalb der jetzigen polnischen Kirchengemeinde in Großkniegnitz. In diese Zeit der Spendensammlung, die er von Herzen mitgetragen hatte, fiel auch der plötzliche Tod unseres Heimatfreundes Ernst Ponert. Den gesammelten Betrag übergab ich im Gottesdienst am 01.09.96, einem geschichtsträchtigen Datum in den deutsch-polnischen Beziehungen, an die polnische Kirchengemeinde. In diese Übergabe band ich die Bitte ein:

"Wenn die Spende schon nicht reicht für den Kauf der zweiten, fehlenden Glocke, dann wünschen wir uns die Restaurierung der Kirchenuhr im Glockenturm!"

Unser Wunsch wurde erfüllt: Restaurateure, spezialisiert auf die Restaurierung alter deutscher Kirchturmuhren, reisten aus Posen an und begannen mit der Arbeit. Sie wurden im Dorf untergebracht (auch bei Kuriata/Wuttke-Hof) und verköstigt. Die Arbeiten stellten sich jedoch als umfangreicher und schwieriger heraus als zunächst angenommen, was im Endeffekt auch Mehrkosten bedeutete. Die dazugehörigen Innenarbeiten im Turm und die Elektroarbeiten (neue Elektro-Verkabelung) wurden aus dem Spendenaufkommen der polnischen Gemeinde bezahlt, die restlichen, noch fehlenden Beträge aus unseren Spenden. Übrige Spendenbeträge wurden verwendet, um den Altarbereich neu zu gestalten und um einen neuen Altartisch anzuschaffen.

Die übrigen Restaurierungen schritten unterdessen fort: Sanierung und Anstrich der Innenwände, Holzverkleidungen bis an die Fenstersimse, neue Bestuhlung im Kircheninnenraum, Restaurierung von Kanzelempore und Orgel. Gleichzeitig wurde vorbereitend für die Außenarbeiten rund um die Kirche eine Drainage gelegt, um das Wasser absickern zu lassen, sozusagen, um das Gemäuer trocken zu legen.

 

Zu der Durchführung der Arbeiten möchte ich bemerken:
Die polnische Gemeinde führte, soweit dies möglich war, viele Arbeiten in Eigenleistung durch. Hier engagierte sich neben anderen Gemeindemitgliedern besonders zum wiederholten Male Familie Kuriata vom "Wuttke-Hof"! Besonders einsatzbereit zeigte sich auch Bürgermeister Fit, der die Arbeiten voranbrachte.

Bei der Restaurierung des Taufbeckens wurde ein alter Brief aus dem Jahre 1819 gefunden, der inzwischen präpariert wurde und der unserer Nachwelt erhalten bleiben soll, indem er einen Platz in einem Museum finden wird.

Um die Jahreswende 1996/1997 erreichte mich dann die Nachricht aus Großkniegnitz:

Die Kirchturmuhr von Großkniegnitz schlägt wieder!

Nachdem sie 50 lange Jahre geschwiegen hatte, schlägt sie nun wieder stündlich und halbstündlich, um die Zeit zu verkünden!

Vom 08.07. - 12.07.98 fand unsere zweite, eigentlich schon als "historisch" zu bezeichnende Reise nach Großkniegnitz statt. Auf dieser Reise, über welche es ein eigenes Buch gibt, beschauten wir uns nicht nur die bereits durchgeführten Restaurierungen, sondern auch den "Alten Friedhof" in Großkniegnitz. Diesen Friedhof hatte die jetzige polnische Gemeinde in Art eines kleinen Parks angelegt, es war der Dank dafür, dass wir so viel getan hatten für die Restaurierung der gemeinsamen Kirche.

Im Folgejahr nach unserem Besuch, nämlich in 1999, begannen die Außenarbeiten. Die Pläne hatte ich hier in Deutschland erstellen lassen, sie konnten wir bereits bei unserer zweiten Reise, und zwar beim Besuch der Kirche im Beisein des deutschen Generalkonsuls von Breslau, Herrn Dr. Kliesow (dieser war sehr beeindruckt), einsehen. Die Farbe für den ersten von zwei Anstrich hatte ich bereits im Mai 1998 nach Großkniegnitz gebracht.

Dann, zu Beginn des Frühjahres 1999, wurde ein Gerüst gestellt. Mitten in die Aufbauphase hinein kam jedoch ein schweres Unwetter mit Sturm, Blitz und Hagel, der das Gerüst halb wegfegte. Und wieder waren es die Dorfbewohner, die sich um Jozef Kuriata vom "Wuttke-Hof" scharten, um das Schlimmste zu verhindern und um das Gerüst wieder aufzubauen.

Zunächst wurde dann an der Bedeckung des Kirchturmes und am Kirchendach gearbeitet. Vom Dachfirst herab wurden Dach inkl. Ziegeln wieder in Ordnung gebracht. In den Sommermonaten wurde dann damit begonnen, den losen, alten Putz abzuklopfen und neuen Verputz aufzutragen. Dann sollte es eigentlich losgehen mit dem Außenanstrich, diese Arbeiten sollten eigentlich bis zum Spätherbst 2000 abgeschlossen sein. Sie verzögerten sich jedoch durch das schlechte, sehr nasse Wetter. Zudem wurde unsere Farbe nochmals im Labor auf ihre Verwendbarkeit hin geprüft, da sie inzwischen ja immerhin schon ein Jahr in Großkniegnitz lagerte. Aber sie war in Ordnung. In der Zwischenzeit waren auch sämtliche Außenarbeiten zur Vorbereitung des äußeren Anstriches von Kirchenturm und Kirchengebäude durchgeführt worden.

Dann aber wurde tatsächlich mit dem Außenanstrich begonnen. Zuerst wurde der Kirchturm fertig, wie uns aus Großkniegnitz mitgeteilt wurde. "Er strahlt schon ins Land", schrieb mir Bürgermeister Fit, und auch Familie Kuriata sowie Elisabeth Zaplotna schrieben mir, ---"dass er sehr schön aussieht! Turm und Uhr bilden jetzt eine Einheit mit Turmsims und hoch oben dem Kreuz----------"

 

Sodann wurden auch die anderen Außenwände zügig angestrichen, zwei Anstriche waren es, wie ich bereits berichtet habe.

Im Mai/Juni 2001 war es dann soweit: Der Außenanstrich als zunächst letzte Arbeit war beendet.

Damit ist die Sanierung und Restaurierung unserer Heimatkirche in Großkniegnitz abgeschlossen.

Ich möchte mich bei allen, die ideell, moralisch und finanziell diese Sanierung unterstützt haben, bedanken und bin fest davon überzeugt, dass wir uns mit dieser Unterstützung nicht nur

ein Denkmal gesetzt haben in der alten Heimat,

sondern dass wir auch die Worte unseres unvergessenen Heimatfreundes Ernst Ponert, der nach seinen eigenen Worten zu gerne noch die restaurierte Kirchturmuhr sowie die sanierte Kirche geschaut hätte, umgesetzt haben, die er anlässlich unserer Dank- und Gedenkfeier in der Kirche von Großkniegnitz sagte:

"Der große Frieden beginnt ganz klein!"

 

Wilfried Urbach
Im Dezember 2001