Ernst Zöfelt

 

Hauptlehrer und Kantor in Großkniegnitz von November 1923 bis 18.04.1946.

 

Foto aus 1951.

 

Eine besonders geachtete und verehrte Persönlichkeit in unserem Heimatdorf war Herr Hauptlehrer und Kantor Ernst Zöfelt. Deshalb soll hier auf seinen Lebensweg zurückgeblickt werden.

Herr Zöfelt wurde am 24.07.1892 als viertes von sechs Kindern in Käntchen Kr. Schweidnitz geboren. Seine Eltern zogen 1896 nach Schweidnitz um, wo er nach beendeter Schulzeit 1906 zunächst Präparandie und anschließend das Lehrerseminar besuchte. Nach der 1. Lehrerprüfung Anfang 1912 unterrichtete er in Schweidnitz und Königszelt, trat aber bald nach Ausbruch des ersten Weltkrieges in die Armee ein. Zwischendurch war er aus Gesundheitsgründen wieder zeitweise, nach Kriegsende dann aber ganz im Schuldienst in Schweidnitz tätig. Wegen der schwierigen Lebensverhältnisse nach dem Kriege in der Stadt, aber auch aufgrund seiner von Kindheit an bestehenden Vorliebe für das Landleben bewarb er sich um eine entsprechende Stelle. So kam er im November 1923, also gegen Ende der Inflationszeit, aus Schweidnitz als Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Hauptlehrers Pätzold nach Großkniegnitz. Er übernahm gleichzeitig das mit dieser Stelle verbundene Amt des Organisten an der evangelischen Kirche. Ende 1930 wurde ihm vom evangelischen Oberkirchenrat die Amtsbezeichnung "Kantor" verliehen.

Der von Kantor Zöfelt geleitete Kirchenchor wirkte bei besonderen Gottesdiensten und bei Beerdigungen mit. Als Hauptlehrer hatte Herr Zöfelt die Leitung des in zwei Gebäuden ("Alte" und "Neue" Schule) durchgeführten Unterrichts. Er gehörte ferner dem Gemeindekirchenrat an, war in der Kriegszeit auch Standesbeamter und versah nach dem Kriege vertretungsweise verschiedene kirchliche Aufgaben im Dorf.

Sowohl mit Pastor Martin Petran (seit 1906 in Großkniegnitz, seit 1927 Superintendent, ab 1934 im Ruhestand) als auch mit dessen Nachfolger Pastor Emanuel Klose (ab 1935) bestand immer ein enges und freundschaftliches Verhältnis und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Die Ehefrau von Herrn Zöfelt, Frau Martha, geb. Leuschner, stand ihrem Mann in allen hauswirtschaftlichen Dingen wie auch im Bereich der "Alten Schule" und der Kirche treu zur Seite. Die Familie hatte drei Kinder: Karl Bernhard (geb. 1918), Gerda Susanna (1920-84) und Klaus Dieter (1929-90). Sie besuchten zunächst nacheinander die Volksschule in Großkniegnitz und später die Aufbauschule in Steinau/Oder.

Seine vornehme, gewinnende Art, seine Treue zur Kirche und zur Gemeinde und seine für viele Bereiche des Lebens aufgeschlossene Art haben ihm Freundschaft, Achtung und Verehrung eingebracht, auch über den Bereich seiner Gemeinde Großkniegnitz hinaus.

Nach der Vertreibung aus der Heimat am 18. April 1946 ging Herr Zöfelt mit dem Rest der Gemeinde nach Ostenfelde (Westfalen) und war danach bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1957 Hauptlehrer und Kantor im Braunschweiger Land. In dieser Zeit hat er sich besonders um die Dokumentation der Heimatgeschichte einschließlich der Vertreibung und um Aufzeichnungen über das Heimatdorf Großkniegnitz verdient gemacht.

Er starb am 23. Januar 1964 in Wolfenbüttel. Gott setze sein Andenken zum Segen!